Technical Assurance · Leistung 01
Internationale Fertigungsüberwachung
Begleitung der Fertigung im Werk des Herstellers – mit festgelegten Prüfzeitpunkten, Feststellungen am Bauteil und einem Bericht, der im Projekt weiterverwendet werden kann.
Wann eine Fertigungsüberwachung sinnvoll ist
Nicht jeder Auftrag braucht eine Begleitung im Werk. Sinnvoll wird sie, wenn der Fertigungsort weit entfernt liegt, die Konstruktion sicherheitsrelevant ist oder eine spätere Korrektur unverhältnismäßig aufwendig wäre.
Erstauftrag bei einem Werk
Der Lieferant ist neu, seine Fertigungsqualität im konkreten Produkt noch nicht aus eigener Erfahrung bekannt.
Sicherheitsrelevante Bauteile
Tragende Konstruktionen, Absturzsicherungen, Befestigungen und Anschlüsse, bei denen Ausführungsfehler unmittelbare Folgen haben.
Montage unter Termindruck
Die Lieferung geht direkt in eine getaktete Montage; eine Zurückweisung auf der Baustelle würde den Ablauf unterbrechen.
Große Stückzahlen
Ein systematischer Fehler wirkt sich auf die gesamte Lieferung aus, wenn er erst nach Fertigstellung entdeckt wird.
Hohe Anforderungen an Nachweise
Auftraggeber oder Nutzung verlangen eine geordnete Dokumentation von Werkstoff, Schweißtechnik und Oberflächenschutz.
Vorangegangene Beanstandungen
In früheren Lieferungen traten Abweichungen auf, deren Wiederholung vermieden werden soll.
Was im Werk geprüft wird

Der Prüfumfang wird vor Beginn festgelegt und richtet sich nach Bestellung, Konstruktion und vereinbarten Regelwerken.
Werkstoff und Rückverfolgbarkeit
- Abgleich der eingesetzten Werkstoffe mit Bestellung und Zeichnung
- Prüfbescheinigungen nach DIN EN 10204 und ihre Zuordnung
- Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit im Fertigungsablauf
Schweißtechnische Ausführung
- Vorliegen und Anwendung von Schweißanweisungen
- Qualifikation von Schweißpersonal und Verfahren
- Sichtprüfung der Nähte gegen die vereinbarte Bewertungsgruppe
- Veranlassung oder Begleitung zerstörungsfreier Prüfungen
Maße und Geometrie
- Hauptabmessungen, Winkligkeit, Ebenheit und Verzug
- Anschlusspunkte, Bohrbilder und Montagemaße
- Grenzabmaße für Schweißkonstruktionen
Oberflächenschutz
- Vorbereitungsgrad und Oberflächenzustand vor der Beschichtung
- Schichtdicken und Schichtaufbau gegen die vereinbarte Vorgabe
- Ausführung an Kanten, Anschlüssen und Berührungsstellen
Fertigungsablauf
- Zuschnitt, Kantenausbildung und Vorbereitung
- Vorrichtungen, Heftung und Verzugskontrolle
- Umgang mit Nacharbeit und Ausbesserungen
Dokumentation
- Vollständigkeit der Fertigungs- und Prüfnachweise
- Zuordnung der Nachweise zu Bauteil und Charge
- Abgleich mit dem vereinbarten Dokumentationsumfang
Prüfzeitpunkte im Fertigungsablauf
Im internationalen Projektgeschäft werden Prüfzeitpunkte üblicherweise vorab festgelegt und in einem Prüf- und Überwachungsplan festgehalten. Die Begriffe stammen aus dem englischsprachigen Sprachgebrauch und werden hier in derselben Bedeutung verwendet.
Hold Point
Ein Fertigungsschritt, der erst nach Freigabe fortgesetzt wird. Bis zur Prüfung ruht die weitere Bearbeitung an diesem Bauteil.
Witness Point
Ein Prüfschritt, bei dem eine Teilnahme angemeldet ist. Findet die Prüfung ohne Teilnahme statt, wird dies im Bericht vermerkt.
Review Point
Ein Zeitpunkt, an dem Unterlagen und Nachweise geprüft werden, ohne dass eine Anwesenheit im Werk erforderlich ist.
Ob und in welchem Umfang Prüfzeitpunkte verbindlich sind, ergibt sich aus dem Vertrag zwischen Auftraggeber und Hersteller. Das Ingenieurbüro kann solche Punkte vorschlagen und wahrnehmen; durchsetzen kann sie nur der Auftraggeber.
Ablauf einer Begleitung
01
Unterlagen sichten
Bestellung, Zeichnungen, Spezifikationen und Normenverweise werden geprüft und offene Punkte benannt.
02
Prüfplan abstimmen
Prüfzeitpunkte, Prüfgegenstände, Stichprobenumfang und Berichtsform werden mit dem Auftraggeber festgelegt.
03
Werksbesuch durchführen
Fertigung, Schweißtechnik, Maße und Oberflächenschutz werden am Bauteil beurteilt und mit Lichtbildern dokumentiert.
04
Feststellungen berichten
Abweichungen und offene Punkte werden aufgenommen, eingeordnet und dem Auftraggeber übermittelt.
05
Nacharbeit verfolgen
Vereinbarte Korrekturen werden bei einem weiteren Termin oder anhand von Nachweisen überprüft.
06
Abschlussbericht übergeben
Der Inspection Report fasst Prüfumfang, Feststellungen, Status und verbleibende offene Punkte zusammen.
Ergebnis und Abgrenzung
Was Sie erhalten
Einen schriftlichen Bericht mit Prüfumfang, Feststellungen, Lichtbildern, technischer Einordnung und offenen Punkten – als Grundlage für Ihre Entscheidung gegenüber dem Hersteller.
Was der Bericht nicht ist
Er ist keine behördliche Abnahme, keine Konformitätsbescheinigung und keine Zertifizierung des Herstellers oder seiner Produkte.
Wer entscheidet
Freigabe, Nacharbeit, Annahme oder Zurückweisung entscheidet der Auftraggeber. Das Ingenieurbüro stellt die technische Grundlage bereit und beurteilt sie fachlich.
Stichprobe statt Vollprüfung
Eine Fertigungsüberwachung erfasst die Bauteile und Fertigungsschritte, die im vereinbarten Umfang und zu den vereinbarten Zeitpunkten zugänglich waren. Sie ersetzt weder die Eigenüberwachung des Herstellers noch dessen Verantwortung für die vertragsgemäße Leistung.
Weiterführend
Fertigung in der Türkei
Sprachliche und organisatorische Besonderheiten bei der Begleitung türkischer Fertigungsbetriebe.
Prüfung vor Verladung
Wenn die Fertigung abgeschlossen ist und vor dem Transport ein Zustand festgehalten werden soll.
Lieferant vorab bewerten
Wenn die Vergabe noch offen ist und die technische Eignung des Werks geprüft werden soll.
Fertigungsüberwachung anfragen
Nennen Sie Bauteil, Fertigungsort und geplanten Fertigungszeitraum. Wir schlagen einen Prüfumfang vor, der zum Risiko des Projekts passt.